Mobilitätswende für Lippe 2030

Unseren Leitantrag „Mobilitätswende für Lippe 2030“ haben die Mitglieder von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Lippe auf der Kreismitgliederversammlung im April mit 100 Prozent Zustimmung beschlossen. Damit setzen wir ein klares Signal für eine klimafreundliche, sozial gerechte und moderne Mobilität in unserer Region.

Doch was genau steckt hinter dem Leitantrag? Welche konkreten Maßnahmen schlagen wir vor – und wie kann Mobilität in Lippe bis 2030 besser, gerechter und nachhaltiger werden?

Unter 3. findet ihr unseren lösungsorientierten 10-Punkte-Plan für die Mobilitätswende in Lippe.


1. Warum wir jetzt handeln müssen: Klimakrise, soziale Gerechtigkeit und Lebensqualität

Die Klimakrise wartet nicht. Im Verkehrssektor – einer der größten Emittenten in Deutschland – dominiert im ländlichen Raum Lippe noch immer der motorisierte Individualverkehr (MIV). Doch die Zeichen der Zeit sind eindeutig:

  • Weit über 70 % aller Wege werden mit dem Auto zurückgelegt, obwohl viele Strecken kurz sind.
  • Ländliche Gemeinden wie Extertal oder Augustusdorf haben kaum attraktive Alternativen: Taktungen sind dünn, Radwege enden momentan an Gemeindegrenzen, und der ÖPNV ist oft nicht barrierefrei.
  • Soziale Ungleichheit: Mobilität darf nicht am Geldbeutel scheitern. Wer kein Auto hat, ist benachteiligt – besonders Ältere, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen.

Doch Lippe hat die Chance, Vorreiter einer klimaneutralen, inklusiven und vernetzten Mobilität zu werden. Dieser Leitantrag zeigt, wie wir soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Chancen verbinden – für eine lebenswerte Region.

2. Unsere Vision: Lippe 2030 – Jede:r erreicht alle Ziele sicher, schnell und emissionsfrei

Bis 2030 wollen wir:

„Jede:r in Lippe – ob in Detmold, Lemgo oder Extertal – erreicht alle Ziele des täglichen Lebens sicher, schnell und klimaneutral. Mobilität ist inklusiv, digital vernetzt und sozial gerecht.“

Leitprinzipien:

  • Multimodalität: Nahtlose Vernetzung von ÖPNV, Rad, Fußverkehr und Sharing-Angeboten.
  • Flächengerechtigkeit: Stadt und Land profitieren gleichermaßen – durch On-Demand-Angebote, Radwege und Mobilstationen.
  • Partizipation: Bürger:innen, Kommunen und Unternehmen gestalten die Wende gemeinsam.

3. Unser 10-Punkte-Plan für Lippe 2030

1. Knotenpunkte als Herzstücke der Vernetzung ausbauen

Problem: Im ländlichen Raum fehlen Knotenpunkte, um zwischen Verkehrsmitteln zu wechseln – z. B. vom Auto auf die Bahn und dann aufs Leihrad.

Lösung:

  • Schienen-Personennahverkehr in Lippe sichern und im Rahmen des S-Bahnkonzepts OWL ausbauen (z. B. durch die Reaktivierung der Begatalbahn für den Regelbetrieb).
  •  
  • Mobilstationen an Bahnhöfen), Supermärkten und zentralen Orten in ländlichen Gemeinden einrichten.
  • Förderung nutzen: Das Land NRW unterstützt den Bau von Mobilstationen bis 30.06.2026 mit Förderanträgen.

2. On-Demand-Verkehr: Flexible Mobilität für alle Zeiten

Problem: In ländlichen Gebieten und zu Randzeiten (abends, am Wochenende) fehlen flexible Angebote.

Lösung:

  • „Limo“-System konsequent als Zubringer-Leistung (First/Last Mile) zum starken Liniennetz und zum SPNV in ganz Lippe ausbauen. Parallelverkehre zur Schiene oder zu Hauptbuslinien sind zu vermeiden, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.
  • Lippemobil-App erhalten und ausbauen: Mit der lippemobil-App ist Lippe Vorreiter in Sachen ‚vollintegrierte Mobilitätsplattform‘. Dies gilt es zu erhalten und auszubauen.
  • Pilotprojekte wie die Limos erhalten und weiter ausbauen, sodass jede Kommune anhand des Bedarfs erreichbar wird.

3. Schnellbuslinien: Ländlichen Raum an den SPNV anbinden

Problem: Viele lippische Gemeinden haben keine Schienenanbindung oder sind schwer erreichbar.

Lösung:

  • 20 neue Schnellbuslinien werden landesweit gestartet – eine Chance für Lippe, diese Angebote zu nutzen und auszubauen.
  • Priorität: Verbindungen zwischen Städten und ländlichen Gemeinden
  • Förderung beantragen: Das Land NRW finanziert den Ausbau – wir müssen die Anträge stellen!

4. Barrierefreier ÖPNV: Mobilität für alle ermöglichen

Problem: Haltestellen sind oft nicht stufenlos, Infos nicht in Leichter Sprache oder mehrsprachig verfügbar.

Lösung:

  • Barrierefreiheit bis 2030: Alle Haltestellen in Lippe werden umgerüstet – mit taktilen Leitlinien, akustischen Ansagen und digitalen Infos in Leichter Sprache.
  • Verbände einbeziehen: Menschen mit Behinderungen werden in die Planungen einbezogen (z. B. über den LWL-Inklusionsbeirat).
  • Förderung nutzen: Das Land NRW unterstützt den barrierefreien Ausbau – wir müssen die Mittel abrufen!

5. Ladeinfrastruktur: E-Mobilität für alle zugänglich machen

Problem: Ohne Lademöglichkeiten bleiben E-Autos und E-Bikes eine Nische – besonders im ländlichen Raum.

Lösung:

  • Schnellladepunkte an Mobilstationen, Supermärkten und öffentlichen Plätzen einrichten – in Kooperation mit lokalen Unternehmen.
  • Förderprogramme nutzen: NRW bietet über 35.000 öffentliche Ladepunkte – wir müssen die Infrastruktur ausbauen, um das Aufkommen von E-Fahrzeugen zu decken.
  • Anreize schaffen: Ladepunkte an Mietwohnungen, Arbeitsplätzen und Gewerbegebieten fördern, innovative Konzepte berücksichtigen.
  • E-Bus-Offensive: Wir fördern weiter den Aufbau von Lade- und Werkstätteninfrastruktur direkt auf den Betriebshöfen der ausführenden Verkehrsunternehmen (Nutzung der 90%-Förderquote des Landes). Die KVG Lippe übernimmt dabei die Rolle eines strategischen Kompetenzzentrums.

6. Radverkehrsnetz lückenlos ausbauen

Problem: Radwege enden oft an Gemeindegrenzen – wer von Detmold nach Extertal will, muss auf die Straße ausweichen.

Lösung:

  • Masterplan Mobilität umsetzen: Priorität für sichere Schulwege und Radschnellverbindungen zwischen Städten und ländlichen Gemeinden.
  • Radverkehrskonzepte der Städte zügig umsetzen um Alltagsverkehr fahrradfreundlich zu gestalten
  • E-Bike-Ladeinfrastruktur an Bahnhöfen, Supermärkten und öffentlichen Plätzen ausbauen – in Kooperation mit lokalen Unternehmen.
  • Förderung beantragen: Das Land NRW unterstützt den Radwegebau – wir müssen die Mittel abrufen!

7. ÖPNV: Offensive Attraktivitätssteigerung durch günstige und flexibleTickets

Problem: Der ÖPNV ist in ländlichen Gebieten oft unzureichend und teuer.

Lösung:

  • Kreisweites 365-Euro-Ticket für alle – nach Vorbild des Deutschlandtickets. Finanzierung durch Bund, Land und Kreis.
  • Kostenlose Testmonate für Erstnutzer:innen, kombiniert mit Kampagnen zur Verhaltensänderung (z. B. „Autofreier Tag Lippe“).
  • Kostenlose Deutschlandtickets für alle Schüler:innen ab der Sekundarstufe 1 und Auszubildende

8. Flächengerechtigkeit: Platz für Menschen, nicht für Autos

Problem: Parkplätze dominieren öffentliche Räume – wer kein Auto hat, wird benachteiligt.

Lösung:

  • Parkflächen umwidmen: Umwandlung von Parkplätzen zu Mobilitätshubs (Kombination aus ÖPNV, Carsharing, Radabstellanlagen, Paketstationen).
  • Parkraumbewirtschaftung mit Klimabonus: Anwohner:innen-Parkausweise werden günstiger, wenn sie auf ein Auto verzichten oder ein E-Auto nutzen.
  • Keine neuen Straßen – stattdessen marode Infrastruktur sanieren (z. B. B239 mit intelligenter Ampelsteuerung gegen Staus).

9. Digitalisierung: Mobilität einfach machen

Problem: Ohne digitale Lösungen bleibt der ÖPNV eine Blackbox.

Lösung:

  • Kreisweite Mobilitäts-App mit Echtzeitdaten, Buchungsfunktion für alle Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Carsharing, Leihräder) und Belohnungssystem für klimafreundliches Unterwegssein.
  • Datenoffenheit: Alle Mobilitätsdaten werden standardisiert und kostenfrei bereitgestellt – für Start-ups, Kommunen und Bürger:innen.
  • Förderung nutzen: Das Land NRW unterstützt digitale Mobilitätslösungen – wir müssen die Mittel abrufen!

10. Governance und Partizipation: Gemeinsam gestalten

Problem: Mobilitätswende gelingt nur, wenn alle mitreden.

Lösung:

  • Mobilitätsrat Lippe: Ein runder Tisch mit Kommunen, Verbänden, Wissenschaft (z. B. TH OWL), Bürger:innen und Unternehmen steuert die Umsetzung und evaluiert jährlich die Fortschritte.

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