Die vorzeitige Trennung vom langjährigen KVG-Geschäftsführer Achim Oberwöhrmeier ist uns Anlass zu grundsätzlicher Kritik am verkehrspolitischen Kurs im Kreis. Die Einschränkung kostenloser Schülertickets, die Einstellung der Touristiklinie 792 und das öffentliche Infragestellen der Limo-Angebote stehen aus unserer Sicht im Widerspruch zu einer Mobilitätspolitik, die Stadt und Land verlässlich verbindet.
Grundlage dieser Kritik ist unser Leitantrag „Mobilitätswende für Lippe 2030“, den unsere Mitglieder im April einstimmig beschlossen haben. Er fordert bezahlbare und klimafreundliche Mobilität auch ohne eigenes Auto: kostenlose Deutschlandtickets für Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I und für Auszubildende, starke Schnellbusverbindungen und den Ausbau der Limo als Zubringer zu Bus und Bahn. Der KVG weist der Antrag eine Schlüsselrolle als strategisches Kompetenzzentrum für die E-Bus-Offensive zu.
Lippe hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie attraktiver Nahverkehr auch im schwierig zu erschließenden ländlichen Raum gestaltet werden kann. Schnellbuslinien verbinden Städte und Gemeinden, flexible Limo-Angebote schließen Lücken im Liniennetz. Mobilitätszentrale und Lippemobil-App erleichtern Auskunft, Buchung und Ticketkauf. Mit 39 Elektrobussen wurde zudem ein wichtiger Schritt zu einem klimafreundlichen Busverkehr umgesetzt. Oberwöhrmeier hat diese Entwicklung über mehr als zwei Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet.
„Lippe hat beim Nahverkehr im ländlichen Raum vorbildliche Lösungen aufgebaut. Die Verbindung von starken Linien und flexiblen Zubringern macht das Angebot attraktiv und hilft, es wirtschaftlich zu gestalten. Darauf muss die Politik aufbauen“, erklärt unsere Sprecherin Wiebke Kopsieker.
Die aktuelle Kürzungspolitik führt unserer Auffassung nach in die entgegengesetzte Richtung. Wer Angebote abbaut, ohne gleichwertige Alternativen zu sichern, verstärkt die Abhängigkeit vom Auto. Die Folgen tragen besonders Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Haushalte, die sich keinen weiteren Wagen leisten können.
„Die schwierige Finanzlage verlangt einen klugen Einsatz öffentlicher Mittel. Unser Leitantrag fordert deshalb ausdrücklich, Parallelverkehre zu vermeiden und Angebote sinnvoll zu verknüpfen. Wer beim Nahverkehr immer zuerst kürzt, verbaut den Menschen Alternativen zum Auto und entwertet bereits getätigte Investitionen“, kritisiert Kreisverbandssprecher Nik Riesmeier.
Landrat und Aufsichtsratsvorsitz tragen Verantwortung für kommunales Geld und einen verlässlichen Nahverkehr. Wir erwarten deshalb eine klare Perspektive für die KVG, eine zügige Besetzung der Geschäftsführung mit hoher fachlicher Kompetenz und Transparenz über die Kosten der vorzeitigen Vertragsbeendigung.
Das Ziel bleibt: Menschen müssen in ganz Lippe auch ohne eigenes Auto zuverlässig ans Ziel kommen. An diesem Anspruch wollen wir die kommenden Entscheidungen messen.
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